Wahrnehmungsförderung

Die Förderung der Wahrnehmung von Reizen ist ein wesentlicher Bestandteil der heilpädagogischen Arbeit der Sophie-Scholl-Schule.

Wahrnehmung meint den Prozess und das Ergebnis der Informationsgewinnung und -verarbeitung von Reizen aus der Umwelt und dem eigenen Körper.

Viele Schülerinnen und Schüler mit Förderbedarf im Bereich geistige Entwicklung verfügen über eine komplexe Behinderung. Die kognitiven und motorischen, aber auch die emotionalen, sozialen und kommunikativen Fähigkeiten sind erheblich eingeschränkt oder verändert, sie befinden sich auf einem fühkindlichen Entwicklungs- und Lernniveau. Somit sind sie in all ihren Erlebnis- und Ausdrucksmöglichkeiten eingeschränkt. Das Lernen vollzieht sich bei ihnen auf elementarster Ebene, bei dem der Körper selbst mit all seinen Wahrnehmungsbereichen „Lerngegenstand“ ist.

Für den Aufbau der Gehirn- und Humanfunktionen ist eine gezielte Reizzufuhr und Reizverarbeitung notwendig. Im Rahmen der „Basalen Stimulation“ erfolgt eine systematische neurophysiologische Anregung zur Förderung der Handlungsfähigkeit im Rahmen des Entwicklungsniveaus der SchülerInnen. Das ist überall da notwendig, wo sie noch nicht gelernt haben, mit den aus der Umwelt empfangenen Reizen sinnvoll umzugehen (vergl. Andreas Fröhlich, Schwerstbehinderte, 1978).

In der Förderung werden die Sinne der SchülerInnen Reizen ausgesetzt. Umfang, Art und Dauer sind individuell pädagogisch abzuwägen, wobei unbedingt die Bedürfnisse und Interessen der Kinder zu berücksichtigen sind. Durch die Sinnesanregungen lernen sie Reize bewusst wahrzunehmen und sie wiederzuerkennen, z.B. warm – kalt: Fußbad im kalten und warmen Wasser; kalter Schnee, kalte Luft im Winter/Wärmflasche, warme Sonne im Sommer etc.

Kognitive Prozesse, wie z.B. Erinnern, Kombinieren, Erkennen, Zuordnen und Urteilen führen zum Verständnis des Wahrgenommenen und bilden die Grundlage für Reaktionen, also aktives Handeln. Dabei müssen diese Prozesse keineswegs zu einem klar umrissenen gedanklichen Bild führen, auch Empfindungen wie Hunger, Schmerz oder Angst sind Ergebnis der Kognition.

Sinnesorgane Sophie Scholl-Schule

Im Bereich des sogenannten Basalen Lernens wird eine Vielzahl an Konzeptionen einbezogen, z.B.

  • Basale Stimulation nach A. Fröhlich
  • Sensomotorische Entwicklungsförderung nach Kiphard
  • Psychomotorische Übungsbehandlung
  • Entwicklungspsychologische Erkenntnisse nach Piaget
  • Das Therapiekonzept nach Ayres
  • Die Förderpflege nach A. Fröhlich/ Ch. Bienstein

Diese Konzepte werden jeweils in unterschiedlicher Form und Ausprägung zur individuellen Förderung der Schülerinnen und Schüler im Sinne eines kombinierten Konzeptes eingesetzt. In Einzelförderung oder homogenen Projektgruppen werden vielfach Themen erarbeitet, die Strukturierungs- und Orientierungshilfen im Alltag bieten, z.B. jahreszeitliche Themen.

Die Sinne des Menschen

  • Visuelle Wahrnehmung, auch Gesichtssinn oder Sehen
    Sie dient der Wahrnehmung von visuellen Reizen, wie Helligkeit, Farbe, Kontrast, Linien, Form und Gestalt, Bewegung und Räumlichkeit. Das zuständige Sinnesorgan ist das Auge.
  • Auditive Wahrnehmung oder akustische Wahrnehmung, Hören
    Sie dient der Wahrnehmung von Schall, insbesondere von Geräuschen, Tönen und Klängen. Das zuständige Sinnesorgan ist in erster Linie das Ohr.
  • Vestibuläre Wahrnehmung, auch Gleichgewichtssinn
    Sie dient der Wahrnehmung von Lageveränderungen im Verhältnis zu einem Schwerefeld zur Wahrung des Gleichgewichts und der Kontrolle von Bewegungen, zusammen mit Augen und Muskelsinn. Das zuständige Sinnesorgan ist das Gleichgewichtsorgan im Innenohr.
  • Sensibilität, auch Tastsinn, Fühlen
    Sie dient der Wahrnehmung von (körperlichen) Gefühlen wie beispielsweise Berührungen, Härte oder Hitze. Zuständig für diese Sinneswahrnehmung ist die Gesamtheit aller Tast-, Wärme- und Kälterezeptoren, die in den folgenden Untersystemen angeordnet sind:

    • Tiefensensibilität
      Sie dient der Wahrnehmung der Stellung der Körperglieder zueinander und damit der Körperhaltung. Anstatt eines einzelnen Organs ist eine Vielzahl von Rezeptoren in Gelenken, Muskeln und Sehnen für die Reizaufnahme zuständig, die meistens unter dem Begriff Muskelsinn zusammengefasst werden. Zu diesem System wird außerdem die propriozeptive Wahrnehmung gerechnet, die die Wahrnehmungen der eigenen Organe umfasst.
    • Taktile Wahrnehmung
      Sie dient der Wahrnehmung von Druck, Berührung und Vibrationen sowie der Temperatur. Das zuständige Sinnesorgan ist die Haut, und zwar sowohl deren Tast- als auch Wärme- und Kälterezeptoren.
    • Trigeminale Wahrnehmung
      Sie dient der taktilen Wahrnehmung im Gesicht (beispielsweise des Windes) und unterstützt die olfaktorische und die gustatorische Wahrnehmung. Für diese Sinneswahrnehmung ist der Nervus trigeminus zuständig, dessen freie Nervenenden in der Gesichtshaut und den Schleimhäuten der Nase, der Mundhöhle und der Augen enden.
  • Olfaktorische Wahrnehmung, Riechen
    Sie dient der Wahrnehmung von Riech- und Duftstoffen. Das zuständige Sinnesorgan ist die Nase, genauer gesagt deren Riechschleimhaut. Geruchswahrnehmungen werden im Gedächtnis stark mit Emotionen assoziiert.
  • Gustatorische Wahrnehmung, Schmecken
    Sie dient der Wahrnehmung von chemischen Qualitäten von Nahrung. Das zuständige Sinnesorgan ist die Zunge mit ihren Geschmacksknospen.

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